Der Klang der Anden: Kapitel 1 – Der Koffer und der Wind

Aus dem unvollendeten Romanmanuskript über Aufbruch, Exil und die Suche nach einem verlorenen Manuskript.

A

ls Mateo die schwere Holztür des Mietshauses in der Calle Rosal hinter sich ins Schloss fallen ließ, schmeckte die Luft nach trockenem Staub und geröstetem Kaffee. Auf den Straßen von Santiago begann der Morgenverkehr wie ein fernes Brandungsgrollen.

Er trug nur den braunen Lederkoffer, dessen Ecken mit Messing beschlagen waren – das einzige Erbstück seines Großvaters, das die Überfahrt von Genua nach Valparaíso fünfzig Jahre zuvor überstanden hatte.

“Wer einmal den Schatten dieser Berge im Nacken gespürt hat, geht nie mehr aufrecht durch eine flache Stadt.”

Er setzte sich an den runden Eisentisch des Eckcafés. Der Kellner nickte ihm zu, ohne ein Wort zu verlieren, und stellte die kleine weiße Tasse dampfenden Espressos vor ihm ab. Mateo zog das Notizbuch hervor, schlug die erste unbeschriebene Seite auf und begann zu schreiben.